Neil Diamond | SAP Arena | Mannheim | 16.09.17

Vergleicht man dieses 50th Anniversay Konzert mit dem von 2015, so waren die Unterschiede für mich spürbar. Die Stimme: großartig...sie hat nichts an Kraft verloren. Aber Neil Diamond wirkte im Gegensatz zu dem Konzert von vor 2 Jahren nicht mehr so agil, dynamisch. Seine Bewegungen waren merklich vorsichtiger, die Lieder wurde mehr vorgetragen als performed, es fehlte die Dynamik....die 76 Jahre fordern langsam Ihren Tribut. Nichtsdestotrotz war es ein tolles Konzert...und ich war einer der letzten, die Neil Diamond live auf der Bühne gesehen haben.

Hier ein guter Zeitungsbericht:

 

Als sich bei "Sweet Caroline" die Menschen singend in den Armen liegen und die SAP-Arena endgültig zum Tollhaus wird, sind die wichtigsten Fragen des Abends längst geklärt. Ja, er sieht noch immer unverschämt gut aus. Und ja, seine unverwechselbare Stimme "kratzt" nach wie vor an den richtigen Stellen. Und, das macht die proppenvolle Arena ebenfalls deutlich: Auch mit 76 Jahren füllt Neil Diamond scheinbar mühelos die großen Hallen rund um den Erdball.

 

Der Mann aus New York ist zweifellos einer der ganz Großen seiner Zunft: Fast 130 Millionen verkaufte Alben, 50 Jahre Bühnenpräsenz - Neil Diamond ist offenbar unverwüstlich. Auch wenn er nicht wie Fast-Alterskollege Mick Jagger von den Stones wie ein Derwisch über die Bühne hüpft, allein seine pure Anwesenheit macht das mehr als wett. In Mannheim erheben sich die Fans bei seinem Anblick von ihren Sitzen, da hat der Schmusebarde noch keinen Ton gesungen - sie verneigen sich vor seinem Lebenswerk.

 

 

Was folgt, ist eine über zweistündige musikalische und visuelle Zeitreise bis zurück in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Über die große Leinwand flimmern Bilder vom kleinen Neil, der sich im Kreise seiner Familie so richtig pudelwohl fühlt. Man kann ihm beim Spielen mit seinen Geschwistern sehen - Schmunzeln allenthalben, so etwas kommt im Publikum prima an. Was allerdings noch viel besser ankommt, ist sein Songmaterial - hier macht Diamond keine Experimente. Er hat seine sämtlichen Hits im Repertoire, die schon in den 60er und 70er Jahren von den Radiostationen rauf und runter gespielt wurden.

 

 

Ein paar Beispiele gefällig? "Beautiful Noise", "Solitary Man" - sein erster großer Erfolg - "Song Sung Blue", "You don’t bring me Flowers", "I am I said", und natürlich die Übernummer "Sweet Caroline". Gelächter dann bei "Forever in Blue Jeans" - die hat der Grandseigneur nämlich im heimischen Kleiderschrank gelassen. Er ist stilecht komplett in schwarzes Tuch gehüllt. Fehlen darf auch nicht "I’m a Believer", ein Stück, das er einst für die "Monkees" geschrieben hat. Das Publikum ist jedenfalls hellauf begeistert, die Hits werden lautstark mitgesungen. Nach jedem Lied gibt es Standing Ovations. Doch der Meister soll das Lob an dieser Stelle nicht ganz alleine einheimsen, er hat nämlich ein paar richtig gute Musiker mit in die Quadrate- stadt gebracht, die dem Abend musikalisch den letzten Schliff geben. Auch optisch ein Genuss: die bestens aufgelegte Bläser-Gang und die "Water-Sisters", zwei Backgroundsängerinnen, die wohl nicht ganz unabsichtlich an die legendäre Tina Turner erinnern.

 

Fazit: Es war ein toller Abend mit einem großartigen Entertainer. Okay, es gab ein paar Längen, wenn die Band ihre Freiheiten allzu sehr ausreizte. Aber was spielt das letztlich schon für eine Rolle. Das Gesamtpaket muss stimmen , und das ist bei Neil Diamond stets der Fall.